Führt isometrisches Training zu einer trainingsinduzierten Hypoalgesie bei Menschen mit lokalen muskuloskelettalen Schmerzen?

Die bis dato bestehenden Hypothesen zum Einsatz isometrischer Bewegungsübungen mit dem Ziel einer Schmerzreduktion basierend auf theoretischen Prinzipien der übungsinduzierten Hypoalgesie (EIH) beruhen vor allem auf Studien, welche diese Trainingsform bei experimentell applizierten Schmerzen durchführten. Aus diesem Grund wird der Einsatz dieser Trainingsform propagiert um lokale muskuloskelettale Schmerzen positiv zu beeinflussen (1). Auch aus klinischen Studien gibt es bereits Hinweise einer Wirksamkeit, welche nun in einem aktuellen Systematic Review kritisch betrachtet wurden.

Die vorliegende Übersichtsarbeit zeigt auf, dass keine durchgehende Evidenz für den Einsatz von isometrischem Training besteht.2 Dies bezieht sich vor allem auf jene PatientenInnen-Gruppe welche unter lokalen muskuloskelettalen Schmerzen leidet. Gründe für diese inkonsistente Evidenz sind vor allem unterschiedliche Studien-Designs und dabei auch das jeweilige verwendete Trainingsprotokoll bezogen auf Dosis, Dauer und Intensität des isometrischen Reizes.

Die letztendlich 13 inkludierten Arbeiten beziehen sich auf Nackenschmerz, Schmerzen durch Kniearthrose, allgemein chronische muskuloskelettale Beschwerden wie unspezifischer Rückenschmerz, Beschwerden nach einem Schleudertrauma (WAD), Tendinopathien der Patellasehne, Faszitis plantaris, Schulterschmerzen und laterale Ellbogenschmerzen.

Laut AutorInnen ist isometrisches Training anderen Trainingsformen nicht überlegen, was nicht automatisch bedeutet, dass ein Einsatz nicht gerechtfertigt ist. Syndrome wie Fibromyalgie profitieren ja bekannter weise nicht von einer isometrischen Aktivität, sondern vielmehr von aerobem Ausdauertraining. Im Gegenteil ist bei chronischen Schmerzen in mehreren Körperregionen sogar eine übungsinduzierte Hyperalgesie durch isometrisches Training beschrieben und bekannt.

Möglicherweise bedarf es einer Inklusion von Testverfahren, welche einen möglichen Profit der spezifischen Trainingsform detektieren könnten. Dies könnte vor allem unter Einsatz sensorischer Testverfahren wie pain pressure thresholds (PPT) und Sensorik-Tests (Berührung, Pain-Prick, etc.) erfolgen und bis dato rein subjektive Wiederbefundungsparameter bezogen auf Schmerz erweitern.

 

1.
Sluka KA. Mechanisms and Management of Pain for the Physical Therapist. Lippincott Williams & Wilkins; 2016.
2.
Bonello C, Girdwood M, De Souza K, et al. Does isometric exercise result in exercise induced hypoalgesia in people with local musculoskeletal pain? A systematic review. Physical Therapy in Sport. 2021;49:51-61. doi:10.1016/j.ptsp.2020.09.008

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