Rauchen und postoperativer Schmerzmittelbedarf: eine Metaanalyse

Dass Rauchen die perioperative Physiologie in vielfältiger Weise beeinflusst, ist bekannt; weniger gesichert war bislang, in welchem Ausmaß Tabakkonsum den postoperativen Opioidbedarf und die Schmerzintensität konkret verändert. Eine von unserer Arbeitsgruppe an der Medizinischen Universität Graz durchgeführte Metaanalyse hat diese Frage nun systematisch untersucht.

Methodik

Szilagyi und Kollegen führten eine systematische Literatursuche in PubMed und Web of Science durch und identifizierten Studien, die den postoperativen Opioidverbrauch bei Rauchern gegenüber Nichtrauchern verglichen. Opioidäquivalenzdosen wurden auf Morphinäquivalente standardisiert; die Effektgrößenschätzung erfolgte mittels Random-Effects-Modell mit Berechnung des standardisierten Mittelwertunterschieds (SMD). Als primärer Endpunkt wurde der Opioidbedarf in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff definiert, als sekundäre Endpunkte der Bedarf bis 48 Stunden sowie die Schmerzintensität nach 24 Stunden.

Ergebnisse

Acht Studien mit 784 Patienten gingen in die Analyse des 24-Stunden-Endpunkts ein, sieben Studien mit 1.164 Patienten in die 48-Stunden-Auswertung. Raucher benötigten zu beiden Zeitpunkten signifikant mehr Opioide: Der gepoolte SMD betrug nach 24 Stunden 0,90 (95%-KI 0,74–1,06; p < 0,00001) und nach 48 Stunden 0,61 (95%-KI 0,48–0,74; p < 0,00001). In absoluten Zahlen ausgedrückt verbrauchten Raucher im Mittel 33,7 % mehr Opioide als Nichtraucher. Darüber hinaus berichteten Raucher 24 Stunden postoperativ über signifikant höhere Schmerzscores (SMD 0,59; 95%-KI 0,26–0,92; p < 0,001). Die Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass die zugrunde liegenden Studien überwiegend nicht-randomisierte Designs aufwiesen, was die Evidenzqualität limitiert.

Diskussion

Die Befunde passen zum biopsychosozialen Verständnis postoperativer Schmerzverarbeitung, in dem sowohl neurobiologische als auch verhaltensbedingte Faktoren den Analgetikabedarf modulieren. Mechanistisch kommen mehrere Erklärungen in Betracht: Nikotin aktiviert nikotinerge Acetylcholinrezeptoren und kann kurzfristig analgetisch wirken, führt bei chronischem Konsum aber zu einer Desensibilisierung dieser Rezeptoren und zu einer allgemeinen zentralen Sensibilisierung. Hinzu kommen Veränderungen im Opioidrezeptorsystem, die an chronische Nikotinexposition gebunden sein dürften. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Befund einer koreanischen Kohortenstudie (Kim et al., 2021), der zeigt, dass der Mehrbedarf bei Patienten, die das Rauchen erst kurz vor der Operation aufgegeben hatten, besonders ausgeprägt war – was für eine gewisse Zeitabhängigkeit der Normalisierung spricht und präoperative Raucherentwöhnungsprogramme in einem neuen Licht erscheinen lässt. Bemerkenswert ist auch die thematische Analogie zu einer großen Kohortenstudie der Cleveland Clinic (Ekrami et al., 2024), die für Cannabiskonsum eine ähnliche Assoziation mit erhöhtem postoperativem Opioidbedarf und höheren Schmerzscores nachweisen konnte und damit auf gemeinsame neurobiologische Mechanismen hindeutet.

Klinische Konsequenz

Der Raucherstatus sollte im Rahmen der präoperativen Anästhesievisite aktiv erhoben und bei der Planung des postoperativen Analgesieregimes berücksichtigt werden. Patienten, die rauchen, benötigen im Schnitt rund ein Drittel mehr Opioide; ein multimodales Konzept, das auf diese erhöhte Analgesiebereitschaft abgestimmt ist, könnte helfen, sowohl den Opioidgesamtverbrauch zu begrenzen als auch eine adäquate Schmerztherapie sicherzustellen. Präoperative Raucherentwöhnungsinterventionen mit ausreichend langem Vorlauf vor dem Eingriff erscheinen aus dieser Perspektive besonders erstrebenswert.

Literatur

  1. Szilagyi IS, Ullrich T, Klivinyi C, Lang-Illievich K, Brenna CTA, Messerer B, Bornemann-Cimenti H. Association Between Smoking and Opioid Requirement and Pain Intensity in the Early Postoperative Period: A Meta-Analysis. Pain Ther. 2025;15(1):341–365. PMID: 41389119. DOI: 10.1007/s40122-025-00804-9
  2. Kim CS et al. Association between Postoperative Opioid Requirements and the Duration of Smoking Cessation in Male Smokers after Laparoscopic Distal Gastrectomy with Gastroduodenostomy. Pain Res Manag. 2021:1541748. PMID: 33574973. DOI: 10.1155/2021/1541748
  3. Ekrami E et al. Association Between Cannabis Use and Opioid Consumption, Pain, and Respiratory Complications After Surgery: A Retrospective Cohort Analysis. Anesth Analg. 2024;139(4):724–733. PMID: 38190341. DOI: 10.1213/ANE.0000000000006785

References

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