Photobiomodulation und Bewegungstherapie beim Schulterimpingementsyndrom: Was leistet der Laser wirklich?

Schulterimpingementsyndrom zählt zu den häufigsten muskuloskelettalen Beschwerdebildern und betrifft Personen jeder Altersgruppe und Aktivitätsstufe, von Büroarbeitern mit ungünstiger Ergonomie bis hin zu Überkopfsportlern. Physiotherapeutische Maßnahmen, insbesondere bewegungstherapeutische Ansätze, gelten als Behandlung der ersten Wahl; der Stellenwert adjuvanter physikalischer Verfahren wie der Photobiomodulation (PBM) ist hingegen weiter umstritten. Eine kürzlich erschienene systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von de Lara Quagliotto und Kollegen versucht, die vorhandene Evidenz zur kombinierten Anwendung von PBM und körperlichem Training systematisch zusammenzuführen.

Methodik

Die Autoren durchsuchten sechs Hauptdatenbanken (PubMed, Web of Science, Embase, Cochrane, Scopus, Lilacs) sowie Grauliteraturquellen nach randomisierten klinischen Studien, die PBM in Kombination mit physikalischer Übungstherapie bei Personen mit Schulterimpingement untersuchten. Primärer Outcome war die Schmerzintensität, sekundäre Outcomes waren Bewegungsumfang und Schulterfunktionalität. Die methodologische Qualität der eingeschlossenen Studien wurde mit dem Cochrane-RoB2-Tool bewertet, die statistische Analyse erfolgte mit einem Random-Effects-Modell. Zehn RCTs mit insgesamt 523 Teilnehmenden, erschienen zwischen 2009 und 2023 und vorwiegend in der Türkei durchgeführt, erfüllten die Einschlusskriterien; die eingesetzten Laserparameter variierten erheblich, mit Wellenlängen zwischen 850 und 904 nm sowie Energiedichten von 1 bis 5 J/cm².

Ergebnisse

Hinsichtlich der Schmerzintensität zeigte die Meta-Analyse über alle zehn Studien zunächst keinen signifikanten Effekt zugunsten von PBM (SMD = −0,27; 95%-KI −0,74 bis 0,19; I² = 85%). Erst nach Ausschluss der drei Studien mit hohem Verzerrungsrisiko ergab sich eine statistisch signifikante Schmerzreduktion (MD = −0,89; 95%-KI −1,38 bis −0,40; p = 0,0004; I² = 46%; n = 373). Die gesonderte Analyse der Schmerzintensität zu unterschiedlichen Zeitpunkten (Ruhe, Belastung, Nacht) lieferte in keiner der Subgruppen signifikante Effekte; auch der kombinierte Effektschätzer blieb ohne Signifikanz (SMD = −0,16; 95%-KI −0,43 bis 0,12). Für den Bewegungsumfang ergab sich nach kombinierten aktiven und passiven Abduktionsmessungen eine signifikante Verbesserung in der PBM-Gruppe (MD = 12,24°; 95%-KI 7,64 bis 16,84; p < 0,00001), wobei dieser Effekt ausschließlich auf die passive Abduktion zurückzuführen war, während die aktive Abduktion keinen signifikanten Zugewinn zeigte. Die Schulterfunktionalität, gemessen mit SPADI und SDQ an 322 Personen aus sechs Studien, verbesserte sich durch PBM gegenüber der Kontrolle nicht signifikant (MD = −1,47; 95%-KI −7,34 bis 4,41; p = 0,62).

Diskussion

Die Befunde dieser Arbeit sind aus methodologischer Perspektive mit einiger Zurückhaltung zu interpretieren. Dass der positive Schmerzeffekt erst nach selektivem Ausschluss der drei qualitativ schwächsten Studien sichtbar wird, entspricht einer Post-hoc-Sensitivitätsanalyse; ein solches Vorgehen kann zwar der Homogenisierung des Datenpools dienen, birgt aber das Risiko, das gewünschte Ergebnis zu erzeugen. Hinzu kommt die ausgeprägte Heterogenität der eingesetzten Laserparameter zwischen den Studien, die eine biologisch sinnvolle Aggregation grundsätzlich in Frage stellt. Dass die Funktionsverbesserung, also das klinisch am unmittelbarsten relevante Outcome, trotz nachweisbarer Schmerz- und ROM-Effekte ausbleibt, ist ein diskordanter Befund, der die klinische Bedeutsamkeit der beobachteten Einzeleffekte relativiert. Das Cochrane-Review von Page und Kollegen aus dem Jahr 2016 zu elektrotherapeutischen Verfahren bei Rotatorenmanschettenerkrankungen kam zu dem Schluss, dass PBM gegenüber Placebo lediglich kurzfristige Vorteile bei geringer Evidenzqualität zeige und keinen wesentlichen Zusatznutzen in Kombination mit anderen physiotherapeutischen Maßnahmen biete; an dieser Einschätzung hat sich im Kern wenig geändert. Im Unterschied dazu zeigte ein kürzlich in der Wiener Klinischen Wochenschrift veröffentlichter RCT von Tombak und Kollegen (2024) bei der kalzifizierenden Rotatorenmanschettentendinopathie günstigere Resultate von LLLT hinsichtlich Schmerz, Bewegungsumfang und sonografisch nachweisbarer Kalzifikationsreduktion, was darauf hindeutet, dass PBM bei spezifischen Subentitäten der Schulterproblematik wirksamer sein könnte als bei funktionellen Impingementsymptomen allgemein. Insgesamt legt die Gesamtschau der Literatur nahe, dass die Wirksamkeit von PBM in hohem Maße dosimetrieabhängig ist und gegenwärtig kein evidenzbasierter Konsens über optimale Parameter besteht.

Klinische Konsequenz

PBM kann als nebenwirkungsarmes Adjuvans zur Bewegungstherapie beim Schulterimpingementsyndrom in Betracht gezogen werden, ohne dass dabei übertriebene Erwartungen geweckt werden sollten. Kurzfristige Schmerzlinderung und eine Erweiterung des passiven Bewegungsumfangs sind plausibel und durch die vorliegende Datenlage unterstützt; eine nachhaltige funktionelle Verbesserung hingegen ist nicht gesichert. Die klinisch entscheidende Frage, welche Laserparameter bei welchem Patienten eingesetzt werden sollten, bleibt mangels Standardisierung offen. Künftige Studien müssen deutlich homogenere Dosimetrieprotokolle, konsequentere Verblindungsverfahren und eine sorgfältigere Randomisierung implementieren, um die klinische Entscheidungsfindung auf eine belastbarere Grundlage zu stellen.

References

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